Textilwerk

Interview mit Maik Ehmke - Mitgründer von textilwerk.com

Am Anfang war es nur eine Idee auf einem Sommerfest. Eine Idee zwischen zwei alten Freunden. Der eine: Dan Schmitz, Geschäftsführer der Schmitz-Werke. Der andere: Maik Ehmke, Projektleiter bei Ernsting’s family. Beide Mitte dreißig, beide mit der Textilindustrie im Münsterland verbunden. Dan hatte sich gefragt, warum Produzenten über das Design von Heimtextilien bestimmen. 

Müsste man nicht den Markt entscheiden lassen? Konsumenten und Designer auf einer Plattform zusammenbringen? Das Resultat: textilwerk.com. 10 Mitarbeiter, 80 Künstler, 400 Designs, 20 000 Artikel.

Von der Idee zum Go-Live

Maik Ehmke brennt für sein Unternehmen. Das ist selbst durch die Linse einer Webcam spürbar. Um den Beirat der Schmitz-Werke von der Gründung einer Tochter zu überzeugen, war aber mehr nötig als Enthusiasmus. „Wir haben an die 100 Iterationen an unserem Geschäftsmodell gehabt. Wir sind inkognito an Messen gefahren mit ganz wilden Projektnamen. Mit jeder weiteren Iteration sind wir ein bisschen selbstbewusster geworden.“

Im März 2019 erfolgte schließlich der Startschuss in der Geschichte von textilwerk.com. Die ersten Bestellungen wurden „extremst gefeiert“, wie Maik mit einem Lächeln erklärt.

Design-Textilien für jedermann

Armani und Ralph Lauren haben es vorgemacht, H&M und Zara sind nachgezogen. Nach den Kleiderschränken haben sie auch das Wohnzimmer erobert. Gibt es da überhaupt noch Platz für ein Start-up aus Emsdetten? „Wir haben ein anderes Konzept“, sagt Maik und fügt an: „Wir sehen uns als Werkbank für Künstler.“ 

Mittels eines Konfigurators können Künstler ihre Kreationen hochladen und der Kunde kann sie anschließend auf Bettwäsche, Vorhänge, Tischdecken oder Textilposter drucken lassen. „Jeden Tag kommen neue Designs in den Shop, woraus neue Kollektionen und Themenwelten entstehen.“ Neben dieser Vielfalt ist es die Produktion, welche textilwerk.com von den Riesen der Textilindustrie unterscheidet.

Nachhaltigkeit als Grundpfeiler

Nachhaltigkeit ist zu einem Unwort geworden, hinter dem sich lauwarme Versprechen verbergen. Nicht so bei textilwerk.com. „Durch die On-Demand-Produktion sind wir per se schon nachhaltiger als viele andere Hersteller. Wir haben keine Überschussproduktion.“ Möglich macht das eine moderne Web-to-Print-Lösung. Der Webshop ist direkt mit der Druckmaschine verbunden. Eine spezielle Software sorgt dafür, dass die Bestellungen erst gesammelt und anschließend verschnittoptimiert auf den Stoffen angeordnet werden.

Genäht wird in Polen und nicht wie in der Branche üblich in Billiglohnländern wie Bangladesch oder Vietnam. Sämtliche Rohwaren stammen aus zertifizierter Produktion in Europa. Seit kurzem setzt textilwerk.com zudem auf eine eigene Druckmaschine. Wasserbasiert und GOTS-zertifiziert (so etwas wie der Goldstandard im Textilbereich). „Momentan gibt es keine andere Maschine, die diesen Standard erfüllt“, wie Maik im Gespräch erklärt. 

Doch damit gibt er sich nicht zufrieden: „Bei den Verpackungen entsteht noch zu viel Müll. Wir wollen Schritt für Schritt besser werden.” Vor diesem Hintergrund hat sich textilwerk.com auch für einen Wechsel des Zahlungsanbieters entschieden.

Shopware und Mollie im Doppelpack

„Bald werden wir mit Shopware 6 starten“, erklärt Julia Buske. Sie verantwortet die Technik-Entwicklung bei textilwerk.com. Am Shopware Community Day 2019 ist sie auf Mollie aufmerksam geworden. Ein paar Monate später wurden die Verträge unterzeichnet und schon bald zeigten sich die ersten Früchte der Zusammenarbeit: „Die Warenkorbabbrüche sind deutlich besser geworden.“ 

Maik pflichtet ihr bei: „Neben den modernen Zahlungsarten wie zum Beispiel Google Pay hat uns der Check-out dazu bewogen, mit Mollie zusammenzuarbeiten.“ Lobende Worte findet Julia auch für das Mollie-Backend: „Besser als bei anderen. Es ist intuitiv, es lässt sich gut bedienen, es ist stabil. Inzwischen haben wir Mollie vier Monate am Start und es läuft einfach.“

Der Traum einer Micro Factory

Nächstes Jahr feiern die Schmitz-Werke ihr 100-jähriges Jubiläum. Wer so lange im Geschäft bleiben will, muss vor allem eins können: gut antizipieren und schnell reagieren. Ein Beispiel? Als sich die Corona-Krise zuspitzte, hat textilwerk.com innert kürzester Zeit eine Produktlinie für Schutzmasken auf die Beine gestellt. Und produzierte in Spitzenzeiten 50 000 Masken pro Woche.

Gleichzeitig arbeitet man mit Hochdruck an der Personalisierung von Produkten. Das soll in Zukunft der Kunde selbst ganz bequem von zu Hause aus machen können. Und dann ist da auch noch die Idee einer hochgradig automatisierten Fabrik in Deutschland. Momentan ist das allerdings nur eine Idee. Eine Idee zwischen zwei alten Freunden.

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Mila Jansen